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Vom Date zur Beziehung

Die Projektionsfalle

Gerade die Eigenschaften, die wir an uns selbst nicht mögen, treiben uns beim Partner in den Wahnsinn, wir reagieren darauf allergisch. Wie Sie solchen Projektionen künftig eher auf die Schliche kommen.

Die Projektionsfalle © istockphoto.com

Smalltalk. Bis eben noch war der Abend mit den Freunden noch harmonisch. "Kannst du mich bitte mal ausreden lassen?", faucht Jan, als er seinen Freund Dan bei der Erzählung über den gemeinsamen Urlaub unterbricht. Dan kontert: "Das sagst ausgerechnet du? Merkst du eigentlich, dass du seit einer halben Stunde niemanden zu Wort kommen lässt?" Diese Situation beschreibt ein häufiges Projektionsproblem in Beziehungen. Projektion ist hier eine Tendenz, im anderen eine Eigenschaft zu erkennen, die wir an uns selbst nicht mögen. Allerdings: Da wir sie nicht mögen, übersehen wir sie bei uns und erkennen sie zunächst ausschliesslich am anderen.

Warum nervt mich das so?

Oder noch konkreter: Wann immer wir auf Verhaltensweisen des Partners besonders intensiv reagieren, sollten wir kurz innehalten und uns überlegen, woran uns der andere in diesem Moment erinnert hat: Vielleicht nämlich an uns selbst - und zwar an den Teil von uns, den wir überhaupt nicht leiden können. Ganz häufig sind nämlich die Urteile, die wir über andere haben, genau die Urteile, die wir über uns selbst fällen würden, wenn wir denn erkennen würden, wie ähnlich wir reagieren. Wenn wir also unsere Projektionen erkennen lernen, lernen wir ebenso, die eigenen Fehler leichter zu akzeptieren - und vielleicht sogar an ihnen zu arbeiten. Etwas mehr Geduld im Umgang mit dem Partner und weniger schnelle Urteile über andere sind die positive Folge.

Den Kreislauf durchbrechen

Im Wechselspiel von Nähe und Distanz kommt Projektion besonders häufig vor. Ein Beispiel: Julia würde sich selbst als distanziert und freiheitsliebend charakterisieren. Daniela hingegen erlebt sie klammernd und häufig als "Klette". Weil sie sich über die für sie bedrängende Distanzlosigkeit ihrer Partnerin ärgert, vergisst und unterdrückt Julia das eigene Bedürfnis nach Nähe. Im Gegensatz hierzu empfindet Daniela ihre Freundin als sehr distanziert und fühlt sich von ihr häufig regelrecht verstossen. Da Daniela ihre Aufgabe in der Beziehung nun darin sieht, diese Distanz zu mindern, indem sie immer wieder auf Julia zugeht, unterdrückt sie das eigene Bedürfnis nach Distanz. Dieses ist in Wahrheit erheblich ausgeprägter, als es im Kreislauf der Projektionen - Paartherapeuten sprechen von projizierter Identifikation - scheinen mag. Wenn Daniela und Julia es nicht schaffen, diesen Kreislauf zu durchbrechen, werden sie sich nicht nur permanent über einander ärgern, sie werden auch permanent gegen die eigenen Bedürfnisse agieren.

Was tun?

Wie lässt sich nun mit Projektionen umgehen? Zunächst ist das Ziel, Projektionen zu identifizieren. Ein wichtiger erster Schritt: die Möglichkeit bedenken, ob man nicht gerade projiziert, wenn man sich wieder über den Partner ärgert. Vielleicht handelt es sich ja um eine Verhaltensweise, die man bei sich selbst ablehnt. Als zweiten Schritt sollten die Partner darüber nachdenken, inwieweit sie gegenseitig ihre Verhaltensweisen erst hervorrufen. Beim Beispiel Nähe/Distanz ist das der Fall, wenn Daniela immer wieder versucht, Julia näher zu kommen - worauf diese mit Flucht reagiert. Wenn Daniela sich daraufhin noch energischer um ihre Freundin bemüht, werden auch deren Fluchtversuche immer energischer ausfallen. Dies geschieht weitgehend automatisch, kann jedoch bereits dadurch abgeschwächt und häufig sogar beendet werden, indem sich die Partner einer solchen Dynamik bewusst werden.

Du musst meine Erwartungen nicht erfüllen

Leider neigen wir meist dazu, erst die Schuld beim Partner zu suchen. Die Folge davon ist häufig, dass wir einen eigentlich passenden Partner für unpassend halten und uns auf die Suche nach einem neuen begeben. Wenn es jedoch um Erwartungshaltung geht, dürfen Sie nie vergessen, dass es niemandes Job ist, Ihre Erwartungen zu erfüllen. Umgekehrt würden Sie sich genauso verbitten, als Projektionsfläche unerfüllter Wünsche Ihres Partners herhalten zu müssen. Bevor Sie also fragen: "Sollte ich vielleicht in einen anderen Partner investieren?", bedenken Sie: "Beim Nächsten wird alles anders" bedeutet nicht unbedingt: "Beim Nächsten wird alles besser!", denn Ihre eigenen Verhaltensweisen nehmen Sie in die nächste Beziehung mit.

Eric Hegmann/gayParship

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