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Der Erste Kontakt

Gegen Routine beim Online-Flirt

Neugier, Überraschung, Herzklopfen - Partnersuche kann so schön sein! Doch was, wenn, was romantisch sein sollte, zum Eintrag im Terminkalender verkommt? Wenn der Kontakt zu jeder neuen Internet-Bekanntschaft genau abzulaufen scheint wie alle seine Vorgänger? Und täglich grüsst das Murmeltier ...

Gegen Routine beim Online-Flirt © Fotolia

Am Anfang erschien ihr alles interessant und faszinierend: Anja (32) hielt beinahe den Atem an, als sie die erste Nachricht in ihrem Postfach öffnete. Manchmal kam es ihr so vor, als sässe ihre jeweilige Mailpartnerin direkt vor ihr, so aufgeregt war sie. Doch trotz einiger anregender Begegnungen: die Richtige war auch nach mehreren Wochen intensiver Online-Partnersuche nicht gefunden. Was dann kam, war nicht Frust oder Resignation - es war Routine.

Effektiv, doch leider öde

Die Web-Designerin kontaktierte munter weiter, mailte immer mit mindestens zwei Interessenten, verabredete sich, bewertete und wurde bewertet - und führte dabei heimlich Listen, um die Namen ihrer Verabredungen nicht durcheinander zu bringen. Und es war wie mit gutem Essen: je ein Gänsebraten zu Weihnachten und zu Ostern lässt uns das Wasser im Munde zusammenlaufen. Aber täglich, immer und immer wieder aufgewärmt, wird er fade. Anja wurde Opfer ihres Organisationstalents: Nachdem die erste Euphorie abgeflaut war, ging sie allmählich und eher unbewusst dazu über, ihre Online-Aktivitäten zu strukturieren wie ihren Job oder die Hausarbeit: Interessante Kandidatinnen bedachte sie jeweils mit einem standardisierten Anschreiben, in der zweiten Mail formulierte sie grundsätzlich bestimmte Mindestanforderungen und Ausschlusskriterien - und war dabei immer darauf bedacht, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viele Fakten und Lebenslaufdaten auszutauschen. Das war zwar durchaus effektiv, aber eben schnell auch sehr eintönig.

Was will ich?

Parship-Mitglieder-Coach Nicole Schiller kennt das Problem der Routine bei der Online-Partnersuche. Sie rät vor allem dazu, die Flinte nicht gleich ins Korn zu werfen - es wäre ein Fehler, genervt von der immergleichen Suche sein Online-Profil zu löschen. Wie so oft heißt nach Erfahrung der Psychologin das Zauberwort hier Selbsterkenntnis. Glaubt man Schiller, so wissen viele Partnersuchende schlichtweg nicht, wonach sie eigentlich suchen, und gehen deshalb nach dem "Giesskannen-Prinzip" zu Werke: Um auch ja keine Chance auszulassen, führen sie Mailkontakte nach "Schema F" - und wundern sich dann, wenn ihnen selbst zuerst die Puste ausgeht. Schiller rät in diesem Fall: "Durchatmen, sich Zeit nehmen und womöglich sogar mal eine Pause einlegen, um sich klar zu werden, was die eigenen Ansprüche sind." Statt die Online-Partnersuche verbissen als ein Geschäft zu betrachten, bei dem man unbedingt zum Erfolg kommen oder wenigstens seine Investitionen wieder reinholen muss, sollte man das Ganze lieber als zusätzliche Möglichkeit sehen, andere Menschen kennen zu lernen.

Neugierig bleiben!

Natürlich gibt es kein Patentrezept dafür, wie man die Partnersuche dauerhaft spannend halten kann, doch es schadet nicht, ein paar Grundregeln zu beachten. Nach Ansicht der Parship-Psychologin fängt das bei den Rahmenbedingungen an, die man sich rund um die Online-Balz schafft: Wer seine Mailkontakte zum Beispiel immer zwischen zwei Terminen im Büro mit ein paar Zeilen "bedient", muss sich nicht wundern, wenn irgendwann Frust aufkommt. Dagegen helfen - was beim Thema Routine zunächst widersinnig scheint - bewusst gesetzte Rituale: sich regelmässig Freiräume schaffen und in Ruhe bei Tee oder einem Glas Rotwein die Mailkontakte pflegen, kann viel Spass machen. Es gilt, sich ohne falschen Erfolgsdruck einfach einem angenehmen Zeitvertreib hinzugeben - zufrieden im Hier und Jetzt. Das klappt natürlich nur, wenn man beim Mailen nicht immer wieder nach ein und demselben Muster verfährt. Hier ist Flexibilität, Einfühlungsvermögen und vor allem Neugier gefragt.

Zu mir oder zu dir?

Zugegeben: noch beim zwanzigsten Kontakt seine Selbstbeschreibung phantasievoll zu variieren, klingt nicht unbedingt nach Spass. Aber so weit muss man auch gar nicht gehen. Natürlich seien durchaus gewisse Standardformulierungen möglich, gibt Nicole Schiller zu. Wichtig ist es aber, sich um eine persönliche Ansprache des jeweiligen Mailpartners bemühen - und zwar auch und gerade im eigenen Interesse. Das ist wie im richtigen Leben: Wer in seiner Stammkneipe jeden Abend mehrfach mit Standard-Anmachformeln der Marke "Wir haben uns doch schon mal irgendwo gesehen?!" auf Beutefang geht, zeigt damit, dass er sich eigentlich nicht wirklich für sein Gegenüber interessiert - und langweilt sich am Ende selbst. Deshalb ist es laut Schiller wichtig, schon bei der Auswahl der Flirtpartner selektiver vorzugehen. "Leute herauszupicken, bei denen einem irgendetwas auffällt und interessiert, auf das man dann später individuell eingehen kann". Nur so kann sich ein inspirierender Austausch entwickeln.

Öfter mal was Neues!

Für fortgeschrittenere und kreativere Zeitgenossen, die sich ohnehin schnell langweilen, bieten sich natürlich noch mehr Möglichkeiten, der Monotonie vorzubeugen. Doch ob man sein Gegenüber nun mit Fragespielen der Sorte "Welches Tier wärst du gern? Und warum?" intellektuell herausfordert oder sich zum ersten Treffen anonym in einer Karaoke-Bar verabredet und versucht, sich gegenseitig am Gesang zu erkennen: Wichtig ist am Ende nur, dass man sich selbst den Spass daran erhält, andere Menschen kennen zu lernen. Denn das ist ja bekanntlich ohnehin immer wieder anders, immer wieder neu.

Andreas Udluft/Parship

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